Jean Parrat ist Arbeitshygieniker (SGAH) und vertritt auf der Sanierungsbaustelle in Bonfol das Arbeitsinspektorat (AMT) des Kantons Jura. Er überwacht die laufenden Programme für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter.
Herr Parrat, worin genau besteht Ihre Tätigkeit für das AMT?
Als Arbeitshygieniker achte ich darauf, dass die Mitarbeitenden der Unternehmen geschützt sind, beispielsweise vor physikalischen und chemischen Risiken ihrer Arbeit. Die Unternehmen müssen die Gefährdungen kennen, denen ihre Mitarbeiter möglicherweise ausgesetzt sind, und die Risiken abschätzen. Schliesslich müssen sie Massnahmen treffen, um Risiken zu vermindern oder zu beherrschen. Wir kontrollieren die Einhaltung dieser Vorgaben und müssen manchmal auch Überzeugungsarbeit leisten, damit die Schutzziele eingehalten werden.
Wie sieht Ihre Aufgabe bei der Sanierung in Bonfol aus?
Die Unternehmen, die mit der Sanierung beauftragt sind, müssen laut Gesetz Spezialisten beauftragen, die Programme für Sicherheit und Gesundheitsschutz entwickeln und anwenden sowie deren Wirksamkeit überprüfen. Diese Spezialisten sind Sicherheitsingenieure, Arbeitshygieniker und Arbeitsmediziner. Diese führen also die regelmässige Überwachung vor Ort aus und informieren mich darüber. Ich bewerte dann die Resultate und genehmige die Massnahmen, die mit Blick auf die gesteckten Ziele zu ergreifen sind. Ich kann davon unabhängig auch eigene Messungen vornehmen, um die Ergebnisse der Spezialisten zu verifizieren.
Wie ist Ihr Kontakt mit den Leuten auf dem Sanierungsareal in Bonfol?
Während der Planungsphase des Projekts haben wir schwierige Situationen erlebt. Vielleicht lag das an mangelndem Verständnis für die verschiedenen Positionen oder weil das Projekt grosse politische Bedeutung hat. Aber wir konnten früh einen sehr umfassenden Mitarbeiterschutz in das Konzept integrieren. Heute sind wir in der konkreten Umsetzungs-phase. Ich stehe in gutem, direkten Kontakt mit den Leuten auf dem Sanierungsareal, und das auf allen Ebenen.
Lassen sich die Risiken der Sondermülldeponie Bonfol beherrschen?
Es sind uns nicht alle chemischen Substanzen oder möglichen Gemische bekannt, die sich in der Deponie befinden könnten. Dennoch bin ich mit Bezug auf den Schutz der Arbeiter und der öffentlichen Gesundheit der Meinung: Ja, man kann die Risiken beherrschen. Die Explosion vom Juli 2010 hat gezeigt, dass immer ein Restrisiko bleibt, wie bei allen menschlichen Aktivitäten. In der Folge der Explosion mussten also Massnahmen ergriffen werden, damit bei einem allfälligen weiteren Ereignis die Auswirkungen auf Arbeiter, Unternehmen und auf die Gesellschaft im Allgemeinen auf einem annehmbaren Niveau verbleibt. Die Sanierungspartner haben genau das getan.
Was wird sich mit Erteilung der definitiven Betriebsbewilligungen ändern?
Zuerst muss ich anmerken: Selbst wenn wir die definitiven Betriebsbewilligungen erteilt haben werden, wird es sicher Entwicklungen und Veränderungen geben, auf welche reagiert werden muss. Das zu tun bleibt die Aufgabe der beteiligten Unternehmen. Wir sind jetzt nahe am Ende der Pilotphase, und die präventiven Sicherheitsmassnahmen haben sich bewährt. Einzelne Punkte müssen noch geregelt werden, wie etwa die Berichte über die Pilotphase. Dann werden wir auch festlegen, ob die Frequenz der Arbeitshygienischen und Arbeitsmedizinischen Überwachungsprogramme im Normalbetrieb gegenüber der Pilotphase verändert werden kann.